RETOUR DETOUR


Öffnungen

27.08.2024

Ich fühle mich auch tot, bin mitgestorben als Reza starb, mein Partner, der Vater meines Kindes. Leute sagen, die Flut und Zeit warten auf niemanden, sie gehen immer weiter, egal was passiert. Unvorstellbar ist, dass trotzdem alles weitergeht. Es geht weiter und ich bin tot, untot. Die Zeit zieht sich, ich treffe niemanden, trauere, frage mich, wie das passieren konnte, was überhaupt noch Sinn hat.

Die letzten Jobs am Theater unter Covid aber auch schon davor am Staatstheater waren hässlich. Ich schreibe jetzt. Das Schreiben soll dem Heilungsprozess helfen. Ich schreibe jetzt seit Mai 2024. Seit drei Jahren bin ich traumatisiert, so sehr, dass ich es kaum schaffe, bei Tageslicht einen Schritt vor die Tür zu setzen.

Es ist Hochsommer. Ich sitze. Ich denke, denke, denke. Grübeln ist ein Zeichen von Depression, sagen die Therapeut*innen in den Kliniken.

Ich recherchiere, bring die Teile zusammen, schreibe. Ich versuche eine Form zu finden, die dem angemessen ist, was passiert ist. Die nichts verschleiert und beschönigt aber auch nicht vor Selbstmitleid, Sensationalismus oder Trauerkitsch trieft. -Ich habe noch Ambitionen, aber das hier ist nur ein Bericht aus meinem Leben, von den letzten Jahren bis jetzt. Wo fang ich an? Wie hör ich wieder auf? Ich möchte das Thema rausschreiben – denn den Moment, als ich es hätte rausschreien können, habe ich verpasst. Es kam kein Ton aus mir heraus. Der Schrei sitzt mir seitdem irgendwo als dunkler Klumpen schwer im Magen.

Ich stelle mir vor, wie ich mein Manuskript zum letzten mal lese und wie ich es dann jemand anderem in die Hand gebe. Ich gebe dann eine riesige Last aus der Hand. Dann kann ich wieder über etwas anderes nachdenken. 

Published by


Leave a comment